Zauberer lieben Jongleure, Nathanael!

Varieté im Hansatheater. Hört sich doch nett an? Geht so…

Das ganze war ein Geschenk von meinen Eltern zu Weihnachten. Damit wir mal wieder was mit der Familie machen (meine Brüder waren auch da). Eine Karte kostete 55€ und ich dachte, ich lass mich mal überraschen.

Bevor es losging wurde ich erstmal von einer Kellnerin (und es gab nur Kellnerinnen) gefragt, was ich essen wolle… Meine Eltern versicherten uns wir können haben was wir wollen, ich entschied mich für einen Fischteller (mit etwa 200g Häppchen für 20€, aber das wusste ich beim bestellen nicht). Toll dabei war, dass ich es bekam und anschließend das Licht ausgemacht wurde. Ich habe immer noch keine Ahnung, was ich eigentlich gegessen habe, aber manches schmeckte als hätte man es normalerweise nicht mitgegessen (Sehr knackige Teile).

Nach einer kurzen Einleitung, in der gefühlt zwanzig Mal gesagt wurde, wie wenig sich so etwas tolles leisten können im Gegensatz zu denen [Die Unterschicht] die vor ihren Flachbildfernsehern RTL schauen und dann noch ein paar trockenen Witzen ging die Show los:

Es waren 8 verschiedene Künstler(gruppen), die an sich teilweise ganz nett waren… Dass ich Jongleure und Hoola-Hoop-Tänzerinnen nun nicht so spannend finde liegt vielleicht an mir, die Menge fand es auf jeden Fall klasse. Die einzigen Frauen die auftraten waren sehr knapp bekleidet und entweder Helfer- oder Tänzerinnen.

Die einzige Ausnahme war das Armbrustschießen bei der eine Frau sich letztendlich selber einen Apfel vom Kopf schoss. Dass hier eine Frau auftritt und auch noch mit Waffen, was ja eigentlich untypisch und sehr männlich sei, musste natürlich vorher explizit angekündigt werden. Im Nachhinein gab es dann auch noch ein Kommentar zu hören von wegen: "Die würde ich aber nicht heiraten!".

Der Moderator hat zwischen den Aufführungen noch andere sexistische Witze gemacht und ansonsten BILD-Schlagzeilen vorgelesen über die sich die Menge tobend amüsierte (Wie er die Überleitung zu Zeitungen schaffte hab ich schon ganz vergessen).
Soviel zu der Unterschicht, den RTL-Schauern. Ich denke es ist klar, dass gerade die, die sich über BILD-Titel amüsieren, auch die Zielgruppe von dieser sind…

Abgesehen von der BILD-Werbung hat er nochmal klargestellt, dass die neuen Generationen Zeitungen schon gar nicht mehr lesen oder verstehen und versuchen ein Ladekabel anzuschließen. Ihm ist vermutlich nicht aufgefallen, dass diesen vielleicht klargeworden ist, dass es sich nicht lohnt jeden Tag ein Stapel Altpapier zu kaufen, in dem von Reuters und dpa abgeschrieben wurde. Aber dazu wannanders vielleicht mehr.

Nachdem ich das alles dann irgendwie an einer überteuerten Cola nippend überstanden hatte und wir wieder im Auto waren, machten ich und mein einer Bruder meine Eltern darauf aufmerksam, dass sie das nächste Mal, wenn sie uns Karten für eine sexistische, teure 1%-Bespaßung kaufen wollen, das Geld doch lieber spenden sollen.
Dass das nicht so nett war (Sie fanden das alles klasse) ist mir zu spät aufgefallen und das ganze artete in einen Streit aus in dem es hieß ich würde das zu undifferenziert sehen und jetzt hätte ich es geschafft ihnen den Abend kaputtzumachen weil sie das Gefühl haben uns Scheiße geschenkt zu haben.

So Leid mir das in dem Augenblick auch tat, bin ich doch ganz froh darüber, dass es gesagt wurde, weil sie sowas dann in Zukunft doch anders sehen oder vorher mal nachfragen (zumindest hoffe ich das). Auch wenn es vermutlich genauso bedeutet, dass wir nicht in tatsächliche Theaterstücke oder andere schöne Sachen, die ich ganz gerne mag, gehen werden, aber das muss dann wohl so sein…

meh.

(Falls sich jemand fragt: Der Titel ist frei zitiert aus "Bartimäus" von Jonathan Stroud. Dort sind die Zauberer die "1%-Oberschicht")

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